Netzentgelte verstehen – und mit Power-to-Heat neue Spielräume schaffen

Strommast als Symbol für Netzentgelte im deutschen Stromnetz

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  • Die staatliche Bezuschussung der Übertragungsnetzentgelte verändert ab 2026 die Kostenstruktur für große Stromabnehmer spürbar.
  • Flexible und künftig dynamische Netzentgelte schaffen Anreize für steuerbaren Stromverbrauch und netzdienliches Verhalten.
  • Mit Power-to-Heat-Systemen und thermischen Speichern lassen sich Lasten verlagern und Netzentgelte gezielt senken.
  • Unternehmen, die auf steuerbare Verbrauchslösungen wie Heat-as-a-Service setzen, sichern sich langfristige Vorteile bei Kosten und CO₂-Bilanz.

Ab 2026 sinken die Netzentgelte – doch was heißt das für Industrieunternehmen? Ein staatlicher Zuschuss senkt die Übertragungsnetzentgelte, flexible Tarife belohnen steuerbaren Stromverbrauch, und neue Umlagen sollen die Lasten gerechter verteilen. Wer Strom nicht nur bezieht, sondern gezielt nutzt, kann künftig von handfesten Einsparungen profitieren. Power-to-Heat-Lösungen mit thermischen Speichern helfen dabei, Stromkosten und CO2-Ausstoß gleichzeitig zu reduzieren. Doch wie funktioniert das konkret – und welche Spielregeln gelten ab 2026?

Netzentgelte: Wie sie wirken und was sich ab 2026 ändert

Netzentgelte sind kein Nebenposten auf der Stromrechnung. Gerade in der Industrie können sie 20 bis 50 Prozent der Stromkosten ausmachen. Sie finanzieren Ausbau, Betrieb und Instandhaltung der Stromnetze. Dabei gilt: Je nach Netzebene, Region, Lastprofil und Verbrauchsstruktur fallen die Entgelte sehr unterschiedlich aus.

 

In der Vergangenheit waren Unternehmen in Regionen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien oft besonders stark belastet. Der Netzausbau für Wind- und Solarstrom wurde über die Entgelte in genau diesen Regionen finanziert. Das führte zu deutlichen Preisunterschieden innerhalb Deutschlands.

 

Seit 2025 wird diese Ungleichverteilung durch eine neue Kostenverteilung entschärft: Die Netzausbaukosten werden nun bundesweit umgelegt. Gleichzeitig ging die § 19-StromNEV-Umlage in einen neuen Aufschlag für besondere Netznutzung über. Viele Sonderkonditionen für Großverbraucher entfallen – andere Stromkunden werden dadurch entlastet.

Netzentgelte 2026: Neue Rahmen­bedingungen für die Industrie

Ab Januar 2026 greift ein weiterer Schritt: Der Bund bezuschusst die Übertragungsnetzentgelte mit 6,5 Milliarden Euro. Laut Berechnungen der vier Übertragungsnetzbetreiber sinkt damit der Entgeltpreis auf der Höchstspannungsebene von rund 6,65 auf etwa 2,86 Cent pro Kilowattstunde – ein Rückgang um 57 Prozent.

 

Wie stark Unternehmen davon profitieren, hängt vom jeweiligen Netzanschluss, der Zählerstruktur (SLP oder RLM), der Spannungsebene und dem Verteilnetzbetreiber ab. Für große Stromabnehmer mit registrierender Leistungsmessung dürfte die Entlastung in vielen Fällen deutlich spürbar sein.

Flexible Netzentgelte als Anreiz für netzdienliches Verhalten

Neben der generellen Entlastung rückt die Steuerbarkeit des Strombezugs stärker in den Fokus. Wer flexibel Strom nutzt, kann zusätzlich sparen. Dafür wurden zwei Modelle eingeführt beziehungsweise vorbereitet:

 

Seit April 2025 gelten zeitvariable Netzentgelte. Sie unterteilen den Tag in feste Tarifstufen mit günstigeren und teureren Zeitfenstern. Unternehmen können ihre Prozesse gezielt auf die Niedriglastphasen verlagern – vorausgesetzt, sie verfügen über die nötige Flexibilität oder Speichermöglichkeiten.

 

Dynamische Netzentgelte hingegen sind noch in Planung. Sie sollen sich viertelstündlich an die aktuelle Netzlast anpassen. Gesteuert über Smart Grids, automatisierte Lastmanagementsysteme und Echtzeitdaten entstehen so kurzfristige Preissignale, die ein gezieltes Verschieben von Verbrauch ermöglichen.

 

Beide Modelle setzen voraus, dass Unternehmen nicht nur auf Strompreise achten, sondern auch ihre Netznutzung aktiv überwachen, messen und steuern. Gerade stromintensive Prozesse eröffnen hier neue wirtschaftliche Spielräume.

Power-to-Heat: Wenn Netzentgelte zur Einsparchance werden

Elektrische Prozesswärme ist ein wirksamer Hebel, um Netzentgelte gezielt zu beeinflussen. Power-to-Heat-Systeme wandeln Strom in Wärme um und können diese – je nach Auslegung – in thermischen Speichern über Stunden oder Tage hinweg vorhalten. So lässt sich Strom aus Niedriglastphasen für die Wärmeversorgung nutzen, ohne den Verbrauch starr an den Prozesszeitpunkt zu koppeln. 

 

Ein Beispiel: Ein Unternehmen betreibt eine Trocknungsanlage, die bislang mit Gas befeuert wird. Durch den Umstieg auf Power-to-Heat mit Speicherlösung kann es Strom dann nutzen, wenn Netzentgelte und Börsenstrompreise niedrig sind. Die gespeicherte Wärme wird zu einem späteren Zeitpunkt in den Prozess eingespeist. Das reduziert nicht nur CO₂-Emissionen, sondern macht auch den Strombezug planbarer und wirtschaftlich steuerbar.

Speichern, steuern, sparen: ThermalBattery™ und Heat-as-a-Service

Die technische Grundlage für diese Flexibilität liefern thermische Speicher wie die ThermalBattery™. Sie ermöglichen es, Wärme verlustarm und über längere Zeiträume hinweg zu speichern. In Verbindung mit Power-to-Heat lässt sich günstiger Strom in nutzbare Prozesswärme umwandeln – steuerbar, netzdienlich und kostengünstig.

 

Für Unternehmen, die keine eigene Infrastruktur aufbauen möchten, bietet sich Heat-as-a-Service an. Der Anbieter stellt die komplette Lösung bereit, betreibt sie optimiert im Hintergrund und liefert die Prozesswärme als Dienstleistung. Die Nutzung netzfreundlicher Stromphasen wird dabei automatisch berücksichtigt – inklusive der Vorteile durch reduzierte Netzentgelte.

Netzentgelte als strategische Größe: Wer früh reagiert, profitiert

Die Entwicklung der Netzentgelte ist mehr als eine Strompreisfrage. Sie wird zunehmend zum Steuerungsinstrument für Investitionen, Prozessgestaltung und Technologiewahl. Wer Strom flexibel nutzt, verschafft sich einen Vorteil – wirtschaftlich wie auch mit Blick auf Dekarbonisierungsziele. 

 

Power-to-Heat und thermische Speicher bieten dafür einen praxisnahen Hebel. Die politischen Weichen sind gestellt, die Technologien verfügbar. Entscheidend ist, wie Unternehmen diese Optionen strategisch nutzen.

FAQ: Häufige Fragen rund um Netzentgelte

Wie hoch sind die Netzentgelte in der Industrie?

Die Höhe der Netzentgelte variiert stark – je nach Spannungsebene, Netzanschluss, Abnahmeprofil und Region. Industrieunternehmen mit registrierender Leistungsmessung zahlen in der Regel zwischen 2 und 6 Cent pro Kilowattstunde an Netzentgelten – hinzu kommen ggf. Leistungspreise und weitere Umlagen.

Wie hoch ist der Anteil der Netzentgelte am Strompreis in der Industrie?

Netzentgelte können je nach Unternehmen 20 bis 50 Prozent des gesamten Strompreises ausmachen. Gerade bei großen Abnahmemengen wirken sich Änderungen bei den Entgelten deutlich auf die Gesamtkosten aus.

Wie entwickeln sich die Netzentgelte im Jahr 2026?

2026 sinken die Übertragungsnetzentgelte deutlich – von rund 6,65 auf etwa 2,86 Cent pro Kilowattstunde. Möglich macht das ein staatlicher Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro. Die tatsächliche Entlastung hängt jedoch von Netzanschluss, Tarifstruktur und Region ab.

Was sind vermiedene Netzentgelte?

Vermiedene Netzentgelte sind Entgelte, die Netzbetreiber bisher gezahlt haben, wenn Strom dezentral eingespeist wurde und dadurch Netzausbaukosten vermieden werden konnten. Dieses System wird sukzessive reformiert bzw. abgeschafft, da es nicht mehr mit der aktuellen Netzentgeltlogik kompatibel ist.

Was bringen flexible oder dynamische Netzentgelte?

Sie belohnen Unternehmen, die ihren Stromverbrauch gezielt in netzentlastende Zeiten verschieben. Das schafft Anreize für Flexibilität und unterstützt die Integration erneuerbarer Energien – gleichzeitig lassen sich Netzentgelte dadurch spürbar senken.

Neuigkeiten

Power-to-Heat ermöglicht es Lebensmittelherstellern, Prozesswärme flexibel zu elektrifizieren und Gasverbräuche zu senken. Wärmespeicher entkoppeln Strombezug und Produktion und schaffen wirtschaftliche Spielräume.

Flexible Netzentgelte und steuerbarer Stromverbrauch gewinnen für Industrieunternehmen an Bedeutung. Wer elektrische Prozesswärme intelligent nutzt, profitiert doppelt – bei den Energiekosten und in der Klimabilanz.

Kurzfristige Lastspitzen treiben die Stromnebenkosten unnötig in die Höhe. Wer sie gezielt kappt, reduziert Netzentgelte und gewinnt Spielraum im Energiemanagement.