Der Weg zur Unabhängigkeit von russischem Gas für die deutsche Industrie

Öl-und Gas-Raffinerie-Anlage vor Abendhimmel

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Die deutsche Industrie blickt mit großer Sorge auf die angespannte Versorgungslage am Gasmarkt, die sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges noch einmal deutlich verschärft hat. So haben die vergangenen Monate eindeutig gezeigt, dass die Abkehr von fossilen Brennstoffen nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes unumgänglich ist. Auch um langfristig eine sicherere und zuverlässige Energieversorgung garantieren zu können, ist die Unabhängigkeit von russischem Gas dringend notwendig. Nicht zuletzt der Insolvenzantrag des Hygienepapierherstellers Hakle hat gezeigt, wie dramatisch die Situation gerade in den energieintensiven Branchen ist. Trotz ungebrochener Nachfrage können die explodierenden Gaspreise in Kombination mit steigenden Rohstoffpreisen hier für die Unternehmen schnell existenzbedrohend werden.

Doch welche Alternative zu Gas bleibt den Unternehmen? Schließlich deckt gerade die Industrie den Großteil ihres thermischen Energiebedarfes noch mit fossilem Gas. Die Herausforderung, vor der die Unternehmen aktuell stehen, besteht darin, ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren – und gleichzeitig Produktionsprozesse zu sichern. Ein Vorhaben, das ohne eine Steigerung der Energieeffizienz, die Rückgewinnung von überschüssiger Prozesswärme und die Elektrifizierung von industriellen Prozessen kaum umsetzbar sein wird. Neue Technologien wie thermische Energiespeicher spielen auf diesem Weg eine entscheidende Rolle.

Gasverbrauch in der Industrie: So viel verbrauchen deutsche Unternehmen

Die Zahlen zeigen, wie groß die Abhängigkeit der Unternehmen in Deutschland ist: So wurden im Jahr 2021 rund 95 Prozent des Erdgases in Deutschland importiert.1 Mit einem Anteil von 31,2 Prozent im Jahr 2020 am Gesamtverbrauch war der fossile Brennstoff der mit Abstand wichtigste Energieträger für die deutsche Industrie.1 Besonders energieintensive Branchen wie etwa die Chemische Industrie, in der Gas auch als Rohstoff eine wichtige Rolle spielt, sowie die Metall-, Papier- und die Nahrungsmittelindustrie sind auf eine zuverlässige Gasversorgung angewiesen. Ein gravierender Rückgang hätte hier nicht nur eine erhebliche Drosselung der Produktion oder sogar Produktionsstopps zur Folge – für einige Unternehmen könnte dies auch irreparable Schäden der Produktionsanlagen bedeuten.

Auswirkungen der Gasumlage auf die Industrie

Umso härter treffen die aktuellen Preissteigerungen die deutsche Industrie. Bereits im vergangenen Herbst sorgte die nach den Lockdowns wieder ansteigende Nachfrage für hohe Preise auf dem Gasmarkt. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine ist die Situation noch ernster geworden: Die Verknappung der Gaslieferungen aus Russland sowie die unsichere Lage auf den Energiemärkten haben die Gaspreise in bisher kaum dagewesene Höhen getrieben. So war importiertes Erdgas im Mai 2022 um 235,6 Prozent teurer als im Vergleichsmonat im Vorjahr. Eine Entwicklung, durch die deutsche Betriebe zunehmend unter Druck geraten. Laut einer DIHK-Umfrage sehen sich rund 16 Prozent der befragten Unternehmen durch die steigenden Energiekosten gezwungen, ihre Produktion in Deutschland einzuschränken oder sogar vollständig einzustellen – in energieintensiven Unternehmen sind diese Zahlen sogar noch einmal doppelt so hoch.2

Hinzukommt in Deutschland die von der Bundesregierung beschlossene Gasumlage: Ab Oktober zahlen sowohl private wie auch industrielle Verbraucher 2,419 Cent mehr für jede Kilowattstunde Gas. Vor allem in den energieintensiven Branchen kommen so auf einige Unternehmen noch einmal Zusatzkosten in Millionenhöhe hinzu. In der Stahlindustrie etwa lassen sich laut Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl die jährlichen Mehrkosten durch die Umlage auf rund 500 Millionen Euro beziffern.3

Thermische Energiespeicher als Weg für die Industrie zur Unabhängigkeit von russischem Gas

Die Zahlen machen deutlich: Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und die Produktion zu sichern, muss die Industrie ihre Gasverbräuche drastisch reduzieren. Experten sind sich einig: Auf dem Weg zur Unabhängigkeit von russischem Gas führt an thermischen Speichertechnologien kein Weg vorbei.

Alternative zu Gas? Elektrifizierung via thermische Energiespeicher

Denn etwa zwei Drittel des industriellen Energieverbrauchs werden zur Herstellung von Prozesswärme benötigt.4 Thermische Speicher bieten hier erhebliches Einsparpotenzial: So kann durch die Rückgewinnung von Überschusswärme und ihre Speicherung für die spätere Nutzung der Gasverbrauch deutlich reduziert werden. Und das lohnt sich: Schließlich verpuffen in Deutschland jährlich etwa 200 TWh industrielle Abwärme ungenutzt.4

Auch die Umstellung auf eine strombasierte Wärmeerzeugung ist ein wichtiger Schritt, um als Unternehmen den eigenen Gasverbrauch zu senken. Mithilfe thermischer Speicher kann die – im besten Fall regenerativ erzeugte – Energie als Wärme gespeichert und bei Bedarf für Produktionsprozesse zur Verfügung gestellt werden.

Unabhängigkeit von russischem Gas: Das sind die Vorteile von thermischen Energiespeichern für die Industrie

Kosten senken

Um weiterhin wettbewerbsfähig in Deutschland zu produzieren, müssen Unternehmen sich auf stabile Preise für die Energieversorgung verlassen können. Mithilfe thermischer Energiespeicher befreien sie sich aus der Abhängigkeit der volatilen Preise für fossile Energien – und reduzieren gleichzeitig die Kosten für die Produktion.

Kurzfristige Verfügbarkeit

Die Technologien für thermische Energiespeicher sind marktreif, erprobt und verfügbar. Unternehmen können sie kurzfristig in ihre Produktionsprozesse integrieren – und so bereits bis zum Herbst 2023 ihren Gasverbrauch reduzieren oder sogar vollständig aus der Gasversorgung aussteigen.

Dekarbonisierung der Produktion

Thermische Energiespeicher erlauben Unternehmen den Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung sowie die Elektrifizierung von Prozessen und erhöhen gleichzeitig die Energieeffizienz. Nicht zuletzt im Hinblick auf die immer relevanter werdenden ESG-Ziele von Unternehmen ein entscheidender Faktor.

Versorgungssicherheit

Durch die Nutzung thermischer Energiespeicher können Unternehmen die Stabilität ihrer Produktionsprozesse gewährleisten, da auch bei Schwankungen in der Energieversorgung jederzeit auf gespeicherte Energie zurückgegriffen werden kann.

Abhängigkeit reduzieren

Thermische Energiespeicher vereinfachen Unternehmen den Umstieg auf erneuerbare Energien für die Produktion – und machen sie damit unabhängig von Gasimporten aus dem Ausland.

Unabhängigkeit von russischem Gas: Fazit

Klar ist: In Anbetracht der aktuellen Preissituation und der zunehmenden Unsicherheiten in der Gasversorgung muss die deutsche Industrie umdenken, um ihre Abhängigkeit von Gas zu reduzieren. Gerade Unternehmen in den energieintensiven Branchen müssen schnell eine Alternative zur Wärmeerzeugung mit Gas finden. Thermische Speicher sind dabei eine zugleich wirtschaftliche und nachhaltige Lösung, die auch kurzfristig integriert werden kann und für die Zukunft skalierbar ist.

Neuigkeiten

Industrial heat decarbonisation is a Cinderella challenge: it has been severely neglected so far and urgently needs addressing. Fortunately, there is a growing array of options to solve the problem.

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"Die Speicherung von Energie ist ein Kernproblem der Energiewende. Siemens Gamesa hat in Hamburg den Betrieb seines thermischen Großspeichers eingestellt. Das Unternehmen ENERGYNEST hingegen setzt mit kleinen, dezentralen Wärmespeichern auf ein riesiges Marktpotenzial."